Freiraum und Gesundheit

Es handelt sich anbei um eine eurozentristische Herleitung, warum Freiräume zur Gesundheit beitragen. Leider ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, andere Konzepte und Sichtweisen miteinzubeziehen.

Die Forderung nach städtischem Grün, Parkanlagen, ist wie dieses Zitat vom Zürcher Stadtrat Konrad Gessner im Jahr 1553 zeigt, sehr alt: «Zum daryn spatzieren und sich belustigen».
Baumbestandene Festplätze wie der Lindenhof in Zürich und der Petersplatz in Basel sind Zeugen davon. Heute gelten diese Anlagen als Frühformen heutiger Parkanlagen. 
(Medici-Mall, 2011)
Ab dem 18. Jahrhundert konkretisierte sich das Narrativ bereits: Städtisches Grün wurde als wichtig und gesundheitsfördernd für die Stadtbevölkerung erachtet und es wurden rege Promenaden und Parkanlagen gebaut (Rodewald, 2013, 50). Dazu gehört bspw. die Promenade des Bastions in Genf. Die Giardini Pubblici in Locarno wurden gebaut und im Verlauf vom 18 Jh. bis an den See ausgeweitet. 
Im 19. Jahrhundert wurde in Luzern die Promenade am See gebaut. Der Platzspitz in Zürich wurde von einer barocken Parkanlage zu einem Landschaftspark umgebaut und die Quai-Anlage durch Aufschüttungen im See realisiert. 
Das sind nur einige Beispiele von vielen. 
Diese Baulust ist Ausdruck auch von einem wirtschaftlichem Aufschwung durch die Industrialisierung. Die Schweiz wuchs bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Handelszentren für Rohstoffe an (Chandrasekhar, 2020). Dies wäre ohne die Beteiligung am transatlantischen Sklavenhandel und an der Ausbeutung des Kontinent Afrikas niemals möglich gewesen.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die neuen Schlagwörter in der Stadtplanung und Architektur, die vom Bauhaus geprägt wurde, «Licht, Luft und Sonne für alle». 
Zu dieser Zeit gewann auch der soziale Wohnungsbau an Bedeutung und möglichst viele günstige erstellte Anlagen und somit Wohnkomplexe wurde gebaut. Wie auch Stadtparks und Gärten, durchgrünte Städte waren grossgeschrieben um die Gesundheit der Bewohner:innen zu fördern (Petrick-Löhr, 2019).

Vom israelisch-amerikanischen Gesundheitsforscher und Medizinsoziologen Aaron Antonovsky wurde in den siebziger Jahren, die Salutogenese Theorie entwickelt. Sie stellt im Gegensatz zur vorherrschenden Auffassung in der Medizin, die sich insbesondere mit der Entstehung und Bekämpfung von Krankheiten beschäftigt, neu die Frage ins Zentrum, was einen Menschen gesund hält und wie Gesundheit entsteht (Müller, 2002, 71). Damit legte er einen Grundstein um die Annahme, dass städtisches Grün gesund ist auf medizinischer Ebene zu beweisen (Rodewald, 2013, 50).

Jedoch fehlte lange eine Methodik um die «gesundheitsfördernden Leistungen von urbanen und perirubanen Landschaften» zu messen, um dadurch mehr Bedeutung in der Siedlung und Raumplanung gewinnen (Rodewald, 2013, 50).
2007 wurde eine Studie der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz mit Ärzt:innen gemacht. Daraus wurden drei Faktoren Zugänglichkeit, Aufenthaltsqualität und Handlungsoptionen als Leitmotiv erkannt, die das psychische und physische Wohlbefinden der Bewohner:innen fördert (Rodewald, 2013, 50,51). 
Im Zuge dieser Studie wurden 37 relevanten Kriterien entwickelt, um eine Bewertung von urbaner Landschaft in Bezug auf die Gesundheit vorzunehmen. 
Das Liebefeldquartier in Bern wurde so als erstes mit der erfolgsversprechenden Methode eingeordnet und bewertet. Die Methodik wird bereits in anderen Städten wie Berlin erfolgreich angewandt (Rodewald, 2013, 52). Es ist wünschenswert, dass der Einfluss der Landschaft auf die Gesundheit in raumrelevanten Tätigkeitsfeldern weiterhin an Bedeutung gewinnt und ernst genommen wird.

Nicht nur in der Stadtplanung, die für die breite Öffentlichkeit zugängliche Räume plant, sondern auch die Entwicklung von Therapiegärten zeugt von einer reichen Vergangenheit was die Verbindung von Grünräumen auf Gesundheit und Genesung aufzeigt (Föhn, 2022, 58).