Jahrelanges warten

Vier Durchgangszentren in vier Gemeinden: Vom isolierten Standort bis in die Stadt

Personen mit einem positiven Asylentscheid, vorläufig aufgenommene Personen, wie auch Personen, die sich immer noch im Asylverfahren befinden, werden nach den maximal 140 Tage Bundesasylzentrum BAZ einem Kanton oder einer Gemeinde zugewiesen und müssen fortan in einem Durchgangszentrum leben. Vorläufig Aufgenommene, wie auch Personen mit einem positiven Entscheid werden von der Asylorganisation Zürich AOZ bei der Wohnungssuche unterstützt.
Dies kann jahrelang dauern. Im Kanton Zürich gibt es vier Durchgangszentren, die befinden sich in vier verschiedenen Gemeinden (Kanton Zürich, 2022). Das Durchgangszentrum in Bülach wurde bis jetzt noch nicht Analysiert.

Durchgangszentrum - Sonnenbühl

Eckdaten

Standort Gemeinde Oberembrach, Sonnenbühl
Kapazität 150 Personen
Zimmerbelegung Nicht bekannt
Grundstücksfläche 7528 m2
In Betrieb seit 2004
Betreiber:innen ORS
Eigentümerin Kanton Zürich
Typologie Umnutzung altes Sanatorium
ÖV Kein ÖV, 2x pro Tag Shuttle Bus von ORS für 4.-

Zur Planungsgeschichte 

„Schneggenbühl“ hiess das abgelegene Bauernhaus ursprünglich. Dies wurde von Jakob Goldschmid-Peter 1862 gekauft, er plante eine „Rettungsanstalt für arme Kinder“. 
Eine Renovation lohnte sich nicht, darum wurde an selber Stelle 1863 einen Neubau erstellt. Im Sommer 1863 wird die „Rettungsanstalt für arme Kinder“ eröffnet. 
1948 macht der Hohe bestand von 47 Kinder ein neubau Projekt notwendig. Die Erstellung eines separatem Schulgebäude und einem Gebäude für die Mitarbeiter:innen wurde 1953 realisiert. 
Ein Schwimmbad wurde 1968 erstellt. Kurz vor dem Umzug der Anstalt nach Egg wurde 1977 das restliche Vieh verkauft. (Hauss, 2018, 11)

1979 wurden die Gebäude umgenutzt und dienten als grösste stationäre Klinik für Drogenabhängige im Kanton Zürich. 
Diese hatte 25 Betreuungsplätzen und 28 Mitarbeiter:innen. Sie wurde Ende 2003 geschlossen. 
Der Aussenraum veränderte sich kaum. (Moser, 2003)

Seit 2004 werden die Gebäude als Durchgangszentrum genutzt. Es leben jetzt bis zu 150 Personen in den selben Räumlichkeiten, wie zu Gründungszeiten vor über hundert Jahren 47 Kinder. Zum Grossteil sind es Familien, die sich im erweiterten Asylverfahren befinden. (Seiwerth, 2020) Ihr Gesuch wird genauer geprüft, was maximal ein Jahr dauern sollte. Die Kinder werden im alten Schulgebäude unterrichtet.
Die Bewirtschaftung vom Kulturland welches zur Anlage gehört wurde ausgelagert. (Gasser, 2012)

Ausstattung des Aussenraums

Sonnenbühl
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Beschrieb der Anlage
Es gibt mehrere überdachte Bereiche ein Laubengang, ein Pavillon und bei den Ein- und Ausgängen. Mehrere Sitzelemente und Tische sind auf dem Gelände verteilt. 
Beim Haupteingang befindet sich der Pavillon und ein Hartplatz welche Nutzungen für verschiedenen Altersgruppen aufweist. Die Verbindung von Wohnhäuser und Schule führt entlang eines einseitig bepflanzen Weg. Der Pausenplatz hat verschiedene Spielmöglichkeiten für unterschiedliche Altersgruppen. Um das Haus herum sind verschiedne kleine Gärten mit Nutzpflanzen angelegt. Die Strasse muss gekreuzt werden um zur Grillstelle und zum ehemaligen Pool zu gelangen. Durch die räumliche Komposition lässt dieser Raum am meisten Privatsphäre zu. Es gibt einige inoffizielle selbst angelegte Nischen. Jede Art von Sitzmobiliar und Sichtschutz durch Bepflanzung wird clever genutzt um mehr Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. 

Das Gelände ist von altem und dadurch ökologisch wertvollem Baumbestand geprägt: Alte Buchen, Föhren und alte Hochstämmer. Artenreiche Heckenstrukturen bieten Futter und Nistmöglichkeiten. 
Das Gelände ist relativ offen und durchlässig und stellt daher kaum eine Grenze dar für Wildtiere. Der Grossteil vom Gelände ist sickerfähig (gewachsener Boden) und Pflastersteine. 

Umgebung in Oberembrach

Fläche 10.2 km²
Einwohner:innen 1105
Gemeinderat 3 x Parteilos, SVP, EDU

Umgebung
Oberembrach liegt im Zürcher Unterland. Geprägt von Hügelzügen, Wäldern und Weilern bietet sie ein relativ unentdecktes Wandergebiet, durch die zum Grossteil unbebaute Hügellandschaft. 
Das Dorf Oberembrach ist von Flarzhäusern geprägt, und ist mit den einzigen Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kirchen das Zentrum der Gemeinde.

Sonnenbühl ist ein Weiler umringt von Landwirtschaftsfläche, Waldflächen, Vieh und Hochstamm Obstbäumen am nordöstlichen Gemeinderand.

Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten
Die nächste Bushaltestation befindet sich in Brütten und ist zu Fuss in 40min erreichbar, mit dem Fahrrad in 15 Minuten. Von da geht es 30 Minuten mit dem kostenpflichtigen Bus in den Ballungsraum Winterthur.
Die Bewohner:innen sind auf den kostenpflichtigen (4.-) Shuttle Bus der ORS angewiesen. 
Mit dem Fahrrad ist der Weg nach Winterthur von extremer Steigung geprägt, was mit erheblichem Kraftaufwand verbunden ist und er dauert ca. 50 Minuten.
Im angrenzenden Dorf Brütten befindet sich die nächste Einkaufsmöglichkeit, nämlich genau ein Volg. Zu Fuss ist dieser in 40 Minuten erreichbar. Mit dem Fahrrad in 15 Minuten.

Spinnendiagramm

Kommentar zur Gestaltung und der Umgebung

Auf dem Gelände befinden sich verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten. Dies bietet Raum für soziale Interaktionen und Orte für Privatsphäre. 
Der unglaublich abgelegene Standort isoliert die Bewohnenden allerdings extrem von anderen Kontaktmöglichkeiten. Schulpflichtige Kinder werden im Schulhaus in der Anlage selbst Unterrichtet. Dementsprechend kommt zu keinem Austausch mit anderen Kindern, die nicht im Zentrum wohnen. Der Standort fällt durch die extreme Isoliertheit aus dem Rahmen für ein Durchganszentrum es erinnert an die Lage von einem Rückkehrzentrum. Für Menschen im erweiterten Asylverfahren besteht ein Integrationsauftrag. Wie wird dieser an solch einem isoliertem Standort erfüllt?

Durchgangszentrum - Oerlikon

Eckdaten

Standort Stadt Zürich, Kreis 11
Kapazität 100 Personen
Zimmer 4 Personen pro Zimmer
Grundstücksfläche 950 qm2
In Betrieb seit 1998
Betreiber:innen AOZ
Vermieter:in Stadt Zürich
Typologie Umgenutztes Fabrikgebäude (Rechts) mit Wohnteil (Links)

Zur Planungsgeschichte

Abb. Luftbild, Kanton 1987

Das Gebäude besteht seit den vierziger Jahren. Dies wurde anhand historischer Karten ermittelt. 
Es wurde von Turicop AG, einer Film und Fototechnik Firma genutzt (Wettstein, 1952). Die Nutzungsdauer ist unbekannt. Der Gebäudekomplex ist ein Fabrikgebäude mit Wohnteil (links) und Fabrikationsräumen (rechts).

Seit 1998 wird im selben Gebäudekomplex das Durchgangszentrum Regensbergstrasse von der AOZ betrieben (Regierungsrat Kanton Zürich, 4, 2011).

Ausstattung des Aussenraums

Oerlikon neu
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Beschrieb der Anlage
Durch die Möblierung von Sitzelementen und Tischen ergeben sich verschiedene, aber kleinteilige Räume, die unterschiedliche Nutzungen zulassen. 
Es finden sich zwei generische Spielgeräte und Orthogonalplatten als Wegverbindungen. 
Eine Sitzbank wurde geschickt unter einen Balkon gestellt, jedoch ist das der einzige Witterungsschutz auf dem Gelände. 
Der alte Ahornbaum weist ökologische Qualität auf. Die Kirschlorbeerhecke ist ein invasiver Neophyt. Eine artenreiche Trittwiese auf gewachsenem Boden macht etwa die Hälfte des Aussenraums aus.

Umgebung in Oerlikon

Fläche Stadt Zürich 87.88 km²
Einwohner:innen 437’165
Stadtrat 37% SP, 22% FDP, 18% Grüne 17 GLP, 14% SVP, 6% EVP, 3% die Mitte

Umgebung
Grossflächige Überbauungen tragen zum urbanen Charakter von Oerlikon bei. Südöstlich grenzt das Quartier an den Zürichberg mit verschiedenen Naherholungsgebieten. 
Die Industrialisierung in Oerlikon wurde von der Anbindung ans Schienennetz im 19. Jahrhundert extrem vorangetrieben. Die Identität ist seither von der Industrie geprägt.

Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten
Es befindet sich eine Busstation in einer Gehdistanz von unter 3 Minuten. Das ÖV Netz in Oerlikon ist sehr gut und bindet Oerlikon an alle anderen Stadtteile an. 
Es gibt verschiedene Einkaufsmöglichkeiten, die alle gut erreichbar sind. In Alt-Oerlikon gibt es verschiedenste Lebensmittelläden, wie auch einen Caritas- Lebensmittel und Kleiderladen.  

Spinnendiagramm

Kommentar zur Gestaltung und der Umgebung

Der Eingangsbereich mit Sitzgelegenheiten lässt spontanen Austausch zu. Der Aussenraum ist relativ klein für 100 Personen und lässt kaum Rückzug und Privatsphäre zu. Durch den urbanen Standort können verschiedene öffentliche Freiräume in der Umgebung genutzt werden und entsprechend können auch soziale Kontakte gepflegt und geknüpft werden. Aufgrund der umliegenden öffentlichen Freiräumen, wie auch die Möglichkeit das Gelände jederzeit selbstbestimmt verlassen zu können, ist der Nutzungsdruck auf den Aussenraum der Anlage selbst nicht so hoch.
Kinder können die Kindergärten und Schulen im Quartier besuchen.
Zur Regensbergstrasse hin ist der Aussenraum offen, hinter dem Haus ist durch den angebrachtem Sichtschutz und die Hecke einen Rückzugsort der Privatsphäre ermöglicht.

Durchgangszentrum - Kollbrunn

Eckdaten

Standort Gemeinde Zell, Kollbrunn
Kapazität 128 Personen
Wohnungsgrösse 7-9 Personen teilen sich eine Wohnung
Grundstücksfläche 2802 qm2
In Betrieb seit 2003 ORS, Seit 2019 AOZ
Bauherrschaft Bühler
Betreiber:innen 2003 ORS, Seit 2019 AOZ
Vermieter:in Kanton
Typologie Ehemalige Fabrikarbeiter:innen Gebäude

Zur Planungsgeschichte

Abb. Spinnerei Kollbrunn

Untere Spinnerei Kollbrunn
1832 bis 1835 wurden in Kollbrunn zwei Spinnereien gebaut. Wie üblich wurden dazu Wohnhäuser für die Fabrikarbeiter:innen und Villen für die Fabrikbesitzer erstellt. 
Die zwei nebeneinander stehenden, zweigeschossigen Häuser sind auf dem Luftbild am rechten mittleren Bildrand ersichtlich. Sie wurden 1900 als Wohnhäuser für die Fabrikarbeiter:innen gebaut.
Heute gehören sie zu den Kulturgütern der Gemeinde Zell. 
Der viergeschossigen Wohnkomplexe wurde 1972 ebenfalls als Arbeiter:innen Unterkunft gebaut.

Zwischen 1990 kaufte die Lorze AG die ehemalige Spinnerei, wie auch die Häuser für die Fabrikarbeiter:innen. Kurz nach der Übernahme wurde der Betrieb aufgrund von Befall vom Messingkäfer eingestellt, wobei die Arbeiter:innen gegen die Schliessung und für bessere Arbeitsbedingungen kämpften. Seither stand die Spinnerei, wie auch die Arbeiter:innen-Häuser zum grossen Teil leer.

2020 wurde die denkmalgeschützte Spinnerei von der Lorze AG an die Swiss Property AG verkauft. Bis 2023 wird das Gebäude zu 35 moderne Loftwohnungen umgebaut. (Züriost, 2021)

Die ehemaligen Arbeiter:innen Häuser der unteren Spinnerei werden seit 2003 als Durchgangszentrum Kollbrunn genutzt (Regierungsrat, 2011).

Ausstattung des Aussenraums

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Beschrieb der Anlage
Es sind fast keine Sitzgelegenheiten vorhanden. 
Ein kleiner, selbstgebauter Pavillon bietet Witterungsschutz. 
Ein Volleyballnetz, Tore, Trampolin und ein Töggelikasten bieten verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten. 
SBB Transportkisten werden als Sitzschutz bzw. Raumtrennung verwendet. 
Der Aussenraum ist entweder Asphaltiert oder Rasen. 

Umgebung in Zell

Fläche 251.2 km²
Einwohner:innen 169’513
Gemeinderat 2 x EVP, FDP, 2 x BGV, 2 x SP

Umgebung
Stark geformte Hügellandschaft vom Mittelland. 
Charakteristisch für Zell ist die offene Kulturlandschaft, die Töss und die bewaldeten Hügel.
Die Gemeinde Zell ist extrem von der Industrialisierung geprägt. Anfangs des 19. Jahrhundert wurden mehrere Spinnereien gebaut. Dies führte zum Bau der Tösstalstrasse, die unmittelbar am DZ vorbei führt. 
Kollbrunn ist das grösste Dorf der Gemeinde mit etwas mehr als 2’000 Einwohner:innen.

Anbindung und Einkaufsmöglichkeiten
Der Bahnhof Kollbrunn befindet sich keine zwei geh Minuten vom DZ entfernt.
Es gibt verschiedene Einkaufsmöglichkeiten wie Migros und Coop und das in unmittelbarer Nähe.

Spinnendiagramm

Kommentar zur Gestaltung und der Umgebung

Das Gelände ist einsehbar bietet aber trotzdem durch die selbstgebauten strukturen Rückzugsorte. Es hat Überwachungskameras bei den ein und Ausgängen. Die Lage ist im Dorf zentral und die offene Gestaltung vom Gelände lässt spontanen Austausch zu. 

Durchgangszentrum - Volketswil

Eckdaten

Standort Volketswil
Kapazität 134 Personen
Zimmerbelegung 2 - 3 Personen und grössere Familienzimmer
Arbeitsplätze 6
Grundstücksfläche 12’526 m2
In Betrieb seit 2020
Bauherrschaft Gemeinde Volketswil
Baukosten Ca. 7.8 Mio
Betreiber:innen AOZ
Vermieter:in Gemeinde Volketswil
Architektur In situ, BFR LAB
Landschaftsarchitektur In situ, BFR LAB
Typologie Durchgangszentrum
Ausgelegt auf Unbestimmt, Geplante Nachnutzung, soziales, Studentisches wohnen

Zur Planungsgeschichte

Das dreigeschossige Gebäude wurde 2020 in der Wohn und Gewerbezone im Industriequartier von Volketswil fertiggestellt. 
Es ist ein vorzeigeprojekt, die Wohnbauten sind so konzipiert, dass sie eine Nachnutzung wie Studentisches wohnen zulassen. Die Modularebauweise mit Holzelementen ist sehr ansprechend und macht einen hochwertigen Eindruck. (Mallien, n.b)

Ausstattung des Aussenraums

Volketswil
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Beschrieb der Anlage
Die Anlage bietet ein diverses Nutzungsangebot und hat verschieden halb Private Terrassen wie auch Gemeinschaftsbereiche.  Durch die Lage direkt neben einem öffentlichen Spielplatz gibt es Raum für Spontanen Austausch. 
Die Bepflanzung ist divers und gepflegt. 

Umgebung in Volketswil

Fläche 14 km²
Einwohner:innen 19’000
Gemeinderat Die Mitte, 2 x FDP, Parteilos, SVP, GLP

Umgebung
Volketswil ist von der Landwirtschaft wie auch Industrie geprägt und befindet sich in der nähe vom Greifensee. 
Das Durchgangszrentrum befindet sich in der Industriezone und grenzt an das Quartier Chapeli.

Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten
Es sind mehrere Busstationen in der unmittelbaren Umgebung, wie auch verschiedene Einkaufsmöglichkeiten. 

Spinnendiagramm

Kommentar zur Gestaltung und der Umgebung

Die modulare Gestaltung kann sich angeeignet werden und wirk Zugänglich. Durch verschiedene Zonierenden ist ein diverses Raumprogramm vorhanden. Es sind verschiedene multifunktionale Flächen vorhanden. Die Anlage ist problemlos betretbar und kann einfach an verschiednen Orten verlassen werden. Es gibt Raum für spontane Begegnung, vor allem durch den angrenzenden öffentlichen Spielplatz. Privatsphäre ist durch halb Private Bereiche an verschiednen Orten auf dem Gelände möglich. Die Lage der Anlage ist in Volketswil Zentral gelegen und die ÖV Anbindung ist einfach erreichbar.